Gedanken zur Frankfurter Buchmesse

Dies ist die 26. Buchmesse in Frankfurt, an der ich – in unterschiedlichsten Funktionen – teilnehme. Ich war hier als Buchhändler, als Verlagsmanager und jetzt als Verlags-Dienstleister; nie jedoch als Leser oder Autor.

Vielleicht ist deshalb mein Blick auf die Buchmesse getrübt und ungerecht. Für mich ist es eine riesige PR-Maschine, eine Mühle, durch die Verlage, Autoren und Bücher gejagt werden; eine Verkaufsmesse, bei der es darum geht, Produkte möglichst vorteilhaft darzustellen und zu vermarkten; neue Kontakte zu knüpfen und alte Kontakte zu pflegen; Buchrechte, Lizenzen, zu kaufen und zu verkaufen.
Weder romantisch noch besonders geistvoll.

Es ist mir klar, dass die öffentliche Wahrnehmung der Buchmesse anders ist.
Viele meinen, die Buchmesse sei eine kulturelle Veranstaltung.
Dieses Mißverständnis beruht, glaube ich, an der Besonderheit des Produkts – Buch.
Bücher sind Kulturträger, Verlage sind Kulturvermittler, Autoren sind Kulturschaffende. Wenn es also darum geht, die Kulturträger (also die Bücher) möglichst breit zu vermarkten, muss daher nahezu zwangsläufig die darin befindliche Kultur thematisiert werden.

Die Buchmesse dauert 5 Tage, von Mittwoch bis Sonntag. Die ersten 3 Tage sind an sich Fachbesuchern vorbehalten, das breite Publikum ist am Wochenende willkommen

Für die Verleger sind zwar die Wochenenden der Messe seltene Gelegenheiten, den Benutzern ihrer Produkte – den Lesern – von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Trotzdem mag keiner am Samstag oder Sonntag Standdienst machen. Die meisten kompetenten Gesprächspartner und Entscheider verabschieden sich bereits am Freitag abend in das Wochenende.

Ich kenne Autoren, die blühen auf, wenn sie ihren Lesern begegnen. Für sie sind Lesungen auf der Messe Feste, die gebührend gefeiert werden müssen.
Diese Autoren sind allerdings -nach meiner Erfahrung – in der Unterzahl.
Mir scheint, die meisten Autoren fühlen sich unwohl, wenn sie – wie auf der Buchmesse – in das Licht der Öffentlichkeit treten und ihr Werk (und damit auch sich selbst) vermarkten müssen.

Und dann die Leser:
Ich habe nie verstanden, was einen normalen Menschen dazu bewegt, sich die Buchmesse anzutun. Das Licht ist schlecht, die Luft ist schlecht und man schlängelt sich in Massen an endlosen Ständen vorbei, mit Büchern, die einen eigentlich nicht interessieren, um dann schließlich vor dem überfüllten Stand des Verlages zu stehen, der einen wirklich interessiert, dessen Bücher aber man in viel angenehmerer Atmosphäre in der lokalen Buchhandlung ansehen könnte.
Vielleicht ist es das Event an sich, das Gefühl Teil des großen Events Buchmesse zu sein und dadurch etwas vom Glamour und Glitzer der Kulturwelt mitzubekommen.
Glamour und Glitzer. Pah! Eine gutausgeleuchtete Pappwelt, die am Sonntag abend um 18:30 Uhr blitzschnell wieder abgerissen wird!

Jedes Jahr – so auch dieses Jahr – schwöre ich, mir im nächsten Jahr die Buchmesse nicht wieder anzutun. Aber: es geht auf der Buchmesse letztendlich trotzdem um das Kulturgut Buch. Und Bücher sind – da sind wir uns doch alle einig – Bücher sind etwas ganz Besonderes, sind Träger von Kultur, Wissen und Fantasie. Und deshalb kann ich mir nicht vorstellen, für eine andere Branche zu arbeiten. Und deshalb werde ich natürlich auch im nächsten Jahr wieder hier sein. Natürlich. Und ebenso natürlich werde ich wieder fluchen, über das Licht, und die Luft und die Menschenmassen.

Veröffentlicht in Arts

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.