1. Offenbacher Lyriknacht: gelungen und gescheitert.

Die Beben der Frankfurter Buchmesse erreichen auch Offenbach: Versucht wurde in den Räumen des Kunstvereins Offenbach die “1. Offenbacher Lyriknacht.”
Ein Dutzend Autorinnen und Autoren des Frankfurter Größenwahn Verlags lasen abwechselnd, in schneller Folge und in zwei Runden, aus ihren Texten. Der Versuch gelang und scheiterte zugleich.
Das lag nicht an der Qualität der Texte, durchweg Prosagedichte, in ungereimter, zumeist ungebundener, jedoch verdichteter Sprache. Es lag an der konzeptuell verordneten Überdosis Lyrik. Schon nach wenigen Texten fiel es mir zunehmend schwer, der jeweils neuen Bildwelt und dem neuen Assoziationsraum des Textes zu folgen.
Jeder Text für sich genommen wäre es wert gewesen, für sich selbst zu stehen und bedacht zu werden. Aber durch diesen schnellen Lyrik-Reigen gingen selbst die Worte so geschätzter Autorinnen wie Doris Lerche (“erst sex dann krieg / erst krieg dann sex”) oder Tamara Labas-Primorac (eine der “Wortwandlerinnen”) im Lyrik-Brei unter.
Das Stilmittel schnell wechselnder Vorträge mag bei Poetry Slams funktionieren. Die Texte waren allerdings – bis auf eine Ausnahme – kein “Slam-Material” , was bei Gott nicht gegen sie spricht.
Die Ausnahme: ein Text des mir bis dahin nicht bekannten Autors Carsten Nagels:
“Wenn du,
ohne eine Wort zu verlieren
an mir vorübergehst,
sage ich mir,
das geht vorüber.”
Veröffentlicht in Arts

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.