Gedanken zur Buchmesse 2017

Eine Scherzfrage aus dem Literaturbetrieb lautete: „Wie macht man ein kleines Vermögen?“ Die Antwort: „Man nimmt ein großes Vermögen und gründet einen Verlag.“ So hatte Kurt Wolff, eine der großen Verlegerpersönlichkeiten irgendwann in den den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts geantwortet. Also vor knapp hundert Jahren.
Solange bin ich natürlich noch nicht im Buchhadel; es war für mich erst die die 27. Messe. Trotzdem merke ich dass sich im Lauf der Jahre und Jahrzehnte der Buchmarkt und damit auch die Buchmesse verändert hat.
 
Der Buchhandel ist eine kleine Branche. Der komplette Buchmarkt machte ausweislich der letzten Zahlen des Börsenvereins einen Gesamtumsatz von ca. 9 Mrd. Euro. Insgesamt. Alle Verlage und Buchhandlungen zusammen.
 
Amazon, größter Online Buchhändler und Gemischtwarenladen, macht in Deutschland mehr als 27 Mrd. Euro Umsatz – also mehr als dreimal soviel, wie der komplette deutsche Buchmarkt zusammen.
 
Das hat Konsquenzen: so freundlich Amazon nach aussen hin erscheinen mag, gegenüber Verlagen sind Amazons Konditionenforderung für viele Verlage ruinös.
 
Doch Amazon ist nicht der einzige „Big Player“, der im altmodischen deutschen Buchhandel eine Branche entdeckte, in der sich noch Rendite machen läßt.
Ein paar weitere Beispiele, an denen keiner im Buchhandel vorbei kommt:
 
* Thalia – der größte deutsche stationäre Buchhändler – gehörte bis vor kurzem der Douglas Holding (ja richtig: Douglas, den neben den Parfümerie-Filialen auch die Juweliere Christ gehören). Thalia wurde inzwischen von dem amerikanischen Investor Advent aufgemischt, geschliffen und stromlinienförmig gemacht und wieder verkauft.
 
* Libri, der größte Zwischen- und Buchgroßhändler, ist vollständig im Besitz von dem Kaffeeröster Tschibo, bzw der Unternehmerfamilie Herz.
 
* Bertelsmann, ein Konzern, der horizontal und vertikal alles abdeckt, was mit Medien zu tun hat, von Buch und Musik zu Film und Fernsehen.
 
Und über Allem schwebt wie eine dunkle Wolke Google.
 
Das Problem bei diesen „Big Playern“ ist nicht deren Größe und Marktmacht, sondern der unbedingte Wille zur Rendite. Während der Eingangs erwähnte Kurt Wolff, noch gewillt war Geld auszugeben um gute Bücher zu machen und gute Bücher zu verkaufen, wird heutzutage Geld ausgegeben um mehr Geld wieder einzunehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Bücher handelt, oder Kaffee, Schmuck oder Parfum.
Es geht nicht mehr darum, gute Bücher zu machen, sondern Bücher, die die Rendite erhöhen.
Den an den Fachbesuchertagen der Messe dominierenden Trägern von maßgeschneiderten Anzügen, geht es nicht mehr darum, gute Bücher zu machen und zu verkaufen. Sie haben den Aktienkurs und das nächste Quartalsergebnis im Sinn, ihr Blick geht kaum über den Tellerrand des Folge-Quartals hinaus.
Das hat Folgen:
* Reduzierung der Kosten. Das geht zu Lasten des Lektorats und der Herstellung. Ergebnis: schlechtere Bücher, mit Druckfehlern und schlechtem Satz in billiger Ausstattung. * Konzentration auf die Produktion von Bestsellern, mit dem Ergebnis von Verlagsprofilen, die kaum mehr unterscheidbar sind. Aufbau und Förderung junger Autoren findet kaum mehr statt.
* bei den Buchhandlungen: Konzentration auf den Verkauf von Bestsellern. Die Folge: Buchhandlungen werden immer monotoner und austauschbarer.
 
Darüber kann man lamentieren – aber so ist die Lage.
 
Umso mehr freue ich mich jedesmal wenn ich auf der Messe neue, kleinere Verlage sehe, die in diesem Umfeld ihre Nischen finden und gute Bücher machen.
Ein Beispiel dafür ist der Größenwahn Verlag aus Frankfurt, der so neu nicht mehr ist – er wird, wenn ich mich nicht täusche, bald 10 Jahre. Mit vielen Ideen und Aktionen ist er eine große Bereicherung der ausgedünnten Frankfurter Verlagslandschaft.
Den Macherinnen und Machern dieses Verlags wünsche ich tatsächlich im Kurt Wolff’schen Sinn ein großes Vermögen, um daraus ein „kleines Vermögen“ und gute Bücher zu machen.
 
 
Veröffentlicht in Arts

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