Geschlechtsneutral

Die Geschichte begann harmlos:
für einen Werbe-Flyer sollte ich einen Teaser entwerfen, der in einem Absatz das Wesentliche des beworbenen Produkts zusammenfassen sollte. Das Produkt war eine Software für Verlagsvertreter. Hier ist mein Text, wie ich ihn bei der Besprechung vortrug:
Das Gespräch mit dem Buchhändler konzentriert sich auf Bücher und Inhalte; sys.mobil macht den Vertreter effektiver und erfolgreicher. Und für den Verleger bedeutet das: mehr Umsatz, bessere Präsenz im Buchhandel bei deutlich geringeren Kosten.
Nach dem ersten Lesen war die einhellige Meinung zustimmend. Ja, das könne man so übernehmen.
Nächstes Thema…
Doch hier räusperte sich meine Assistentin. Sie wisse nicht, begann sie vorsichtig, ob man das so formulieren dürfe. Im Buchhandel gäbe es mehr Buchhändlerinnen als Buchhändler. Und gäbe es nicht auch Verlagsvertreterinnen? Und Verlegerinnen?
Ok”, sagte ich, ihre Bedenken aufgreifend, wie es sich für einen guten Chef geziemt. Formulieren wir um:
Das Gespräch mit der Buchhändlerin und dem Buchhändler konzentriert sich auf Bücher und Inhalte; sys.mobil macht die Vertreterin und den Vertreter effektiver und erfolgreicher. Und für die Verlegerin und den Verleger bedeutet das: mehr Umsatz, bessere Präsenz im Buchhandel bei deutlich geringeren Kosten.
Stop!”, ruft der Grafiker. “Das ist zu lang! Das läuft aus der Textbox.
Jeder, der jemals mit Grafikern zusammengearbeitet hat, weiß: leg’ dich nicht mit ihm an! Du wirst den Kürzeren ziehen.
Also war die Frage nicht, wie machen wir die Textbox größer? , sondern wie machen wir den Text kürzer?
Warum nehmen wir nicht einfach immer die weibliche Form?”, so war ein Vorschlag. “Das Gespräch mit der Buchhändlerin konzentriert sich…. macht die Vertreterin effektiver … für die Verlegerin bedeutet das…
Und wo bleiben da die Männer?, polterte unser Firmenmacho.
Wie wäre es mit einem Binnen I “, fragte besänftigend ein Sitzungsteilnehmer.
Binnen I?”, fragte ich.
Ja klar! Binnen I” , so kam die Antwort. “BuchhändlerInnen, VertreterInnen, VerlegerInnen”.
Langsam nahm die Diskussion fahrt auf.
Oder wir nehmen die neutrale Form: Buchhandelnde, Verlagsvertretende, Verlegende? Dann würde der Text so lauten: Das Gespräch mit dem Buchhandelnden konzentriert sich auf Bücher und Inhalte; sys.mobil macht den Vertretenden effektiver und erfolgreicher. Und für den Verlegenden bedeutet das: mehr Umsatz, bessere Präsenz im Buchhandel bei deutlich geringeren Kosten.
Nääh!, war Meinung der Anderen.
Um die Situation zu entschärfen machte ich spaßeshalber den Vorschlag:
Wie wäre es, wenn wir einfach beim ursprünglichen Text blieben und die männlichen Formen mit einem * versähen? Buchhändler*… Vertreter* …. Verleger*. Dann könnte in einer klein gedruckten Fußnote am Ende des Flyers stehen: “ * Wir wissen natürlich um die Jahrtausende währende Benachteiligung und männliche Unterdrückung von Frauen und bedauern sie sehr. Leider gibt es in der Deutschen Sprache keine elegante Möglichkeit zumindest sprachlich Frauen und Männer auf eine Ebene zu stellen. Wir verstehen deshalb ‘Buchhändler’, ‘Vertreter’ und ‘Verleger’ als neutrale Form, die beide Geschlechter umfaßt, in dem Bewußtsein, dass gerade in der Buchbranche Frauen und Männer gleichgestellte Partner sind.”
Super, so machen wir’s”, war der Beschluss der Sitzungsteilnehmerinnen und -teilnehmer, bzw. den SitzungsteilnehmerInnen, bzw. den Sitzungsteilnehmenden.
Wieder räusperte sich meine Assistentin: Und was ist mit der Transgender-Community in der Buchbranche?” ….
Veröffentlicht in Arts

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