Im Café

Im Cafe I

Da es endlich wärmer wurde, saß ich mit einem Freund auf der Terasse eines Cafés und wir philosophierten über die vorüberziehende Welt. Natürlich kamen wir – dem Klischee folgend – irgendwann auf das Thema: „Frauen“
„Erstaunlich!“, sagte ich zu meinem Freund. „Wie anders Frauen im Frühling sich geben! Kürzere Röcke, tiefere Ausschnitte… für wen machen die das?!“
„Keine Ahnung,“ antwortete mein Freund indigniert. „Aber eines ist mir klar: für uns nicht!“

Im Café II

Heute in der Mittagspause saß ich wieder mit einem Freund im Café. Und wie immer kamen wir schnell zu „Männerthemen“: nämlich Frauen.
„Was verlangen unsere Frauen alles von uns?!“, begann er seine Litanei. „Wir sollen eine breite Schulter haben, aber nicht klammern, Wir sollen stark sein und gleichzeitig sanft. Gefühlvoll, aber auch zupackend, gut über Gefühle reden, aber auch gut zuhören können….“
Am Nachbartisch räusperte sich lautstark eine Dame. „Ach Ihr armen Kerle!“, sagte sie zu uns gewandt. „Ihr armen Männer! Heult doch!“.
„Siehste!“, sagte mein Freund perplex zu mir, „Das auch noch!“

Im Café III

Heute saß ich wieder mit einem Freund im Cafe, die Sonne schien, der Espresso war anregend und – wie immer – kamen wir rasch zu Männerthemen: Frauen und Schönheit.
„…Frauen machen sich nicht schön, um Männern zu gefallen. Sie tun es, um andere Frauen zu ärgern…“, nahm mein Freund den Faden eines Gesprächs wieder auf, das wir vor wenigen Wochen geführt hatten.
Da drehte sich die Dame vom Nachbartisch um und fragte mehr als genervt: „Und Ihr?, Was macht Ihr? Bleibt Ihr häßlich um Eure Frauen zu ärgern?“

Im Cafe IV

In der Mittagspause war ich heute wieder mit meinem Freund im Café. Nachdem wir uns über die „Dies-und-Das“ der vergangenen Woche ausgetauscht hatten, saßen wir schweigend da. Das Gespräch am Nachbartisch war schlicht zu spannend: Zwei Frauen, geschätzt irgendwo zwischen 50 und 60, unterhielten sich über die amourösen Begebenheiten des Wochenendes. Über die Details lege ich den Schleier der Diskretion. Obwohl ich den Verdacht nicht los werde, dass die Damen für uns – ich betone es: unfreiwilligen! – Zuhörer eine große Show abgezogen haben..

Im Café V

Heute in der Mittagspause war ich wieder mit meinem Freund im Café. Nachdem wir uns über die Begebenheiten der letzten Woche informiert hatten, wandten wir uns wieder unserem Lieblingsthema zu: der Geschlechterfrage.

„Meine Freundin“, so begann er, „meine Freundin hat sich kürzlich ‚Magic Mike XXL‘ angesehen.“
„Magic Mike XXL?“, fragte ich zurück. „Was ist das? Ein Möbelhaus?“
„Nein, nein“, wedelte er meine Frage beiseite. „Das ist ein Film über Stripper.“.
„Stripper?“, fragte ich verwundert.
„Männliche Stripper!“, raunte er verschworen.
„Ah, ok.“, antwortete ich. „Und?“
„Mir ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen klar geworden“, sagte er bestimmt.
„Ach! Dir ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen klar geworden, Mit Mitte 50? Jetzt erst?“, ulkte ich.
„Ja! Jetzt erst. Hör zu: Wir Männer sehen nackt vollkommen lächerlich aus. Besonders unsere Geschlechtsteile und besonders im Alter. So ein herumhängendes Würsterl mit zwei Murmeln im Sackerl. Ein Witz!“
(Ich muss an dieser Stelle hinzufügen: mein Freund stammt aus München und verfällt wenn er melancholisch ist in einen breiten Dialekt)
„Bei den Frauen hingegen ist alles gut im Inneren eingepackt.“, so fuhr er fort. „Da baumelt unten nix. Das sieht immer schön und aufgeräumt aus.“
„Naja“, warf ich ein. „…auch Brüste können baumeln!“.
„Stimmt schon“, sagte er. „Aber immer noch besser, als dieses Würsterl bei uns.“ Er seufzte. „Zum Glück schauen die Frauen bei uns nicht so genau hin.“
„Da solltet ihr euch nicht so sicher sein“, sagte ironisch eine Dame vom Nebentisch. „Ein wenig Workout würde euch beiden nicht schaden…“

Wir sahen uns beide an und erbleichten.

Im Café VI

Wieder einmal saß ich mit meinem Freund im Café. Im Gespräch, in einem anderen Zusammenhang, sagte er, ich sei ein Künstler.
Plötzlich fühlte ich mich ertappt. Wie ein Hochstapler.
Ich empfände das, was ich mache, nicht als Kunst, antwortete ich vorsichtig. Schließlich würde ich nicht meinen Lebensunterhalt mit Kunst bestreiten.
Lachhaft, wedelte er mein Argument mit der linken Hand beiseite. Das sei so, als würde man behaupten, dass nur Prostituierte die wahren Liebhaber sein könnten, schließlich würden sie ihr Geld damit verdienen.

Im Cafe VII

In der Mittagspause war ich mit meinem Freund im Café.

Heute schien er schlecht gelaunt. Als ich ihn nach dem Grund fragte, antwortete er niedergeschlagen:

„Du hast gestern die Freundschaftsanfrage meiner Ex-Frau auf Facebook angenommen?.“

„Ach Gott! Ja! Na und…?“, rief ich ertappt. Und dann: „Moment mal! Woher weißt du das? Du bist doch gar nicht auf Faceb…“

„Und erinnerst du dich, wie du auf meiner Hochzeit mit meiner Schwester rumgeknutscht hast?“, schnitte er mir das Wort ab.

„….aber das war in den späten 80ern, wir… „, rief ich.

„Trotzdem!“, sagte er düster. „So etwas macht man nicht! Das verbietet der Ehrencodex der Freundschaft. Man knutscht nicht mit Schwestern und man konspiriert nicht mit Ex-Frauen eines Freundes.“

Im Café VIII

Heute Mittag saß ich im Café und wartet auf meinen Freund.
Am Tisch neben mir saß ein kleines Kind in einer Art Kinderwagen, die – glaube ich – „Buggy“ genannt wird.
Ich bemerkte, dass das Kind mich aufmerksam beobachtete.
„Oh!“ machte das Kind, als ich es ansah, und formte einen runden Mund. Ich machte es nach: „Oh“. Das Kind lachte, streckte mir die Arme entgegen und rief „Opa!“.
„Das ist nicht Opa!“, sagte die daneben sitzende Mutter und sah mich entschuldigend an.
„Opa!“, insisiterte das Kind und klopfte mit der flachen Hand auf seinen Kopf. „Opa!“ Da lachte auch die Mutter und sagte, dass ihr Vater auch stets eine Baskenmütze trage.
„Opa, Opa“, rief das Kind vom Lachen der Mutter animiert.
„Opa?“, fragte mein Freund, der gerade an den Tisch kam. „Opa? Herzlichen Glückwunsch!“. Und an die Mutter gewandt: „Das hatte der alte Schuft mir natürlich verschwiegen!“

Im Café IX

Heute in der Mittagspause traf ich mich mit meinem Freund im Café. Nachdem wir uns über die Dinge ausgetauscht hatten, die in der letzten Woche passiert waren, kamen wir rasch zu unserem Lieblingsthema: weibliche Problemzonen.

„Ich weiß, warum Frauen gerne Schuhe kaufen.“, so begann er. „Die Wahrscheinlichkeit, etwas zu finden ist bei Schuhen viel höher, als bei anderen Kleidungsstücken“.

„Wie bitte?!“, wagte ich zu widersprechen, eingedenk der vielen Stunden, die ich mit meiner Ex-Frau in Schuhläden verbracht hatte.

„Ja natürlich!“ stellte er klar: „So ein Fuß ist modisch-anatomisch ganz einfach. Die Schuhgröße ist gut über die Fußlänge definiert. Aber vom Fuß aufwärts wird der weibliche Körper kompliziert, mit vielen potentiellen Problemzonen… „.

„Problemzonen?“, schaltete sich die freundliche Bedienung ein, die gerade vorbeikam. „Erzähl mir nix von Problemzonen! Wenn ich Klamotten kaufe, denke ich manchmal, ich bin eine einzige wandelnde Problemzone! Und das mit Größe 38!“,

„Ach, ja?“, merkte mein Freund interessiert auf.

„Ja! nix passt! Aber jetzt „, so fuhr sie fort, “ hab ich DIE Lösung gefunden!“

„Welche denn?“, fragte mein Freund keck. „Abnehmen?“.

„Quatschkopf!“, deutete sie eine Ohrfeige in seine Richtung an und fuhr begeistert fort: „Früher kam ich mir super dick vor, wenn mir 38 nicht passte, weil ich dann 40 nehmen musste. Aber jetzt probiere ich zuerst 42, freue mich, wenn mir 40 passt und bin super glücklich, wenn ich in 38 passe…“

„Es lebe die weibliche Logik…“, sagte mein Freund.

„Das macht zwei-achtzig, für jeden von euch“, sagte sie.

Veröffentlicht in Arts

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