Ein heikles Thema

Der heutige Beitrag mag mich Sympathien kosten.
Es geht um ein Thema, von dem manche besessen sind. Andere wiederum verdrängen es und insbesondere in Beziehungen ist es ein äusserst heikles Thema, das die Partnerschaft stärken oder vernichten kann.
Nein. Es geht nicht um Sex.
Es geht ums Putzen.
Ich gestehe: ich putze gern. Nicht nur weil ich es zuhause gerne sauber habe, – dann könnte ich ja auch putzen lassen. Ich putze gerne selbst.
Warum?
Nun, ich habe aus mehr als einer handvoll gescheiterter Beziehungen gelernt: eines der Geheimnisse einer gelungenen Partnerschaft ist die Beantwortung der Putzfrage.
Das Putzen zeigt Autonomie.
Wer selber putzt, kann auch kochen und Wäschewaschen und sagt damit dem Partner: “Schau her, Schatz, ich kann putzen, ich kann kochen, ich brauche dich nicht als Putzfrau oder Köchin; ich will nur deine Liebe….”
Doch Liebe hin, Liebe her: wer in der Beziehung putzt, der bestimmt.
Getreu dem Motto: “Ich putze, also bin ich der Chef im Ring.”

So putze ich vom Anfang unseres Zusammenlebens an, was das Zeug hält.
Das Problem dabei ist meine Lebenspartnerin. Auch sie mag putzen. Auch sie putzt gern.

Anfangs haben wir versucht uns abzuprechen. “Du machst das Bad, ich die Küche, du saugst, ich wische…”. Ein labiles Gleichgewicht, das solange funktionierte, bis einer von uns die Gästetoillette entdeckte, eine bislang weitgehend ungeputzte neutrale Zone.
Die Gästetoilette zu putzen war wie Cäsars Überschreiten des Rubikons. Eine Kriegserklärung.

Seitdem belauern wir uns noch während des Abendessens, wer als erster – ohne unhöflich zu sein – den Tisch abräumt. Einmal trickste ich sie, in dem ich vom Tisch aufstand und sagte, ich würde noch die Pfeffermühle holen, was ich auch tat, aber nicht ohne zuvor noch schnell zwei Töpfe zu spülen und den Herd zu säubern.
Sie konterte mit dem “Espresso-Gambit”: “Möchtest du auch einen Espresso, Schatz?”, fragte sie mich, nahm dabei die Teller zusammen und erledigte den Rest der Küche, während die Espressomaschine aufheizte. Diese Schlacht hatte ich verloren.

Die Situation eskalierte, als ich entdeckte, dass ich früher aufstehen und schon mal kehren und wischen könnte und sie im Gegenzug dazu überging, abends länger aufzubleiben, um mir zuvor zu kommen.
Vielleicht sollten wir, um die Beziehung zu retten, jeweils ein Stück unserer Macht abgeben und eine Reinigungskraft engagieren.

 

Veröffentlicht in Arts

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