„Schluss mid Lusdisch“

Ein Abend mit den Bembel Blues Buben*Innen in der Frankfurt Art Bar.

Als wir in Bad Homburg ins Auto stiegen und „Frankfurt, Ziegelhüttenweg 221“ ins Navi eingaben, fragte das Navi zurück: „Wollt Ihr wirklich dahin?“.  Als wir nach einer Stunde, einigen Staus und Umwegen unser Ziel erreichten, verstand ich, warum das Navi so widerwillig war:  Die „Frankfurt Art Bar“ residiert in der Mitte der Sachsenhausener Kleingartensiedlung Ziegelhütte und ist eine der raren Gelegenheiten, im kleineren Rahmen Live-Jazz zu hören.

Wir kamen zu spät.
Auf der Bühne vier Leute, zwei akustische Gitarren, ein Kontrabass und ein aufs Notwendigste reduziertes Schlagzeug.
Nach ein paar Takten ist klar: Hier sind Profis am Werk, die nicht nur Blues spielen, sondern mit dem Blues spielen.  Es macht Spaß ihnen zuzuhören. Auch wenn ich – als Zugereister – nicht alles verstehe.
Denn: Stefan Ruthart singt Hessisch. Immer. Auch wenn er Englisch singt oder die Blues-Harp spielt: Es klingt Hessisch. Gitarre spielt er, wie ein Blueser Gitarre spielen muss, stilistisch sauber, aber in der Sache dreckig.
Apropos stilistisch sauber: Hendrik Fricke sitzt mit einer Haltung an der Gitarre, wie ein Gitarrenlehrer es von seinen Schülern verlangt, beherrscht aber das Blues-Fingerpicking mit seltener Virtuosität.  Mein stilles Highlight des Abends war ein Dialog zwischen Rutharts Harp und Frickes Gitarre; ein Dialog, dem man anmerkte, dass die beiden seit Jahrzehnten miteinander spielen.

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Dabei sind die „Bembel Blues Buben*Innen“ eine an sich relativ junge Formation. Sie begannen 2015 als die „Bembel Blues Buben“, ein Duo mit Stefan Ruthart und Hendrik „Jimmy“ Fricke.
Als dann Maria Schmitt dazu stieß, die am Kontrabass – zusammen mit Alexander „Amsi“ Thelen an den Drums – ein solides Fundament legt, wurde die Namensänderung zu Buben*Innen“ unabdingbar.  Sie spielt absolut „in the pocket“,  rhythmisch sehr stabil und sicher und trug an diesem Abend dazu bei, dass es ein gelungener Blues-Abend wurde.

Blues passt zur Hessischen Mentalität wie die Musik zum Handkäs.
Das zeigen schon die zwei Zeilen aus der „Hessen-Hymne“:
„Vom Bembel ins Geribbde, vom Geribbde in den Kobb,
Hessisch is e Lebensard, gehässisch, fies un grobb.“

Nach zwei Stunden mit den „Bembel Blues Buben*Innen“ bin ich überzeugt, dass der Blues in einem Frankfurter Ebbelwoi Lokal erfunden und durch Auswanderer nach Amerika gebracht worden war.

Links:
Die Webseite der „Bembel Blues Buben*Innen“: http://www.bembelbluesbuben.de/

Die Webseite der „Frankfurt Art Bar“:  http://www.frankfurtartbar.de/

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